Die Hersteller können Fantasiepreise nehmen

Einige wenige Medikamente verschlingen einen Großteil der Arzneimittelausgaben der Krankenkassen. Der Herausgeber des Arzneiverordnungsreports, Ulrich Schwabe, erklärt die skandalösen Tricks der Pharmafirmen.


SPIEGEL: Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung haben 2018 mit 41,2 Milliarden Euro mal wieder einen neuen Höchststand erreicht. Werden die Kosten für Medikamente irgendwann das Budget der Krankenkassen sprengen?

ANZEIGE


Ulrich Schwabe: Der neue Arzneiverordnungsreport zeigt, dass das schnell passieren könnte, wenn man nicht aufpasst. Zum Beispiel mit der neuen Therapie mit einem monoklonalen Antikörper, die zur Vorbeugung von Migräne entwickelt wurde. Im neuen Arzneiverordnungsreport haben wir uns die Verschreibungszahlen des ersten Medikaments dieser Art, Erenumab, angesehen. Es ist mit durchschnittlichen Behandlungskosten von etwa 12.500 Euro pro Jahr rund 200-mal teurer als die bisherigen Prophylaktika. Inzwischen sind sogar noch zwei weitere Mittel dieser Art auf den Markt gekommen, Fremanezumab und Galcanezumab.


SPIEGEL: Aber ist es nicht ein Segen, wenn verzweifelten Migränepatienten nun endlich geholfen werden kann?


Schwabe: Natürlich. Für die 14.000 bis 15.000 Patienten in Deutschland, die auf keine der fünf bislang verfügbaren vorbeugenden Therapien ansprechen oder sie nicht vertragen, hat die Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses einen beträchtlichen Zusatznutzen für eine Therapie mit Erenumab ergeben. In dieser Gruppe kann die neue Therapie die Migränezeit im Monat um durchschnittlich 3,2 bis 3,7 Tage vermindern im Vergleich zu einem Placebo, das mit 1,8 Tagen auch schon recht gut wirkt. Die knapp 200 Millionen Euro, die die Behandlung in dieser Patientengruppe kostet, sind also vertretbar.


Das ganze Interview lesen: Bitte auf das Bild klicken





markus zettl A ori transparant weiss.png

© 2018 Markus Zettl 

NEVER GIVE UP